Kinder mit Stern| Interview mit der Autorin Martine Letterie

Hallo Ihr Lieben und Herzlich Willkommen,

zum dritten und letzten Tag meiner kleinen Aktion rund um die Veröffentlichung des Buches “Kinder mit Stern”.

Ich freue mich sehr, dass ich die Chance hatte und der Autorin Martine Letterie ein paar Fragen stellen durfte. Diese Fragen und die Antworten der Autorin findet ihr unten.  Ich wünsch euch viel Spaß beim Lesen des Interviews

Liebe Martine Letterie,

zunächst möchte ich mich nochmal ganz herzlich bedanken, dass Sie bereit sind, meine Fragen zu beantworten.

Vielleicht sind Sie erstmal so nett und stellen sich meinen Lesern vor:

Kinder mit Sterne // Martine Letterie
Quelle: Carlsen Verlag

Meine Name ist Martine Letterie und ich wurde vor sechzig Jahren in Amsterdam geboren. Ich bin verheiratet und wir haben drei erwachsene Kinder. Seit fast 23 Jahre bin ich beruflich Schriftstellerin und ich schreibe am meisten für Kinder. Meine Bücher sind fast ausschließlich historische Romane, die auf Fakten basieren. Die erste zehn Jahre schrieb ich meistens Geschichten, die im Mittelalter spielten. Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass ich Mittelalterliche Niederländische Literatur studiert habe. Die letzten zehn Jahre war der Zweite Weltkrieg ein wichtiges Thema in meiner Arbeit. 

Sie haben schon unzählige Bücher für Kinder jeden Alters geschrieben. Gibt es ein Buch, welches Ihnen besonders am Herzen liegt?

Für mich ist Oorlog zonder vader (Krieg ohne Vater)ein wichtiges Buch. Der neunjährige Protagonist Frank ist mein jetzt 87-jähriger Vater, der als Junge seinen Vater verloren hat. Er – mein Großvater Martinus Letterie – wurde von den Nationalsozialisten verhaftet, weil er Kommunist war und wurde vom Polizeilichen Durchgangslager Amersfoort in den Niederlanden ins KZ Neuengamme überführt. Dort wurde er am 25. Januar 1942 ermordet. Ich schrieb Oorlog zonder vader aus der Perspektive des neunjährigen Frank und erzähle, wie es immer schwieriger wurde, je länger der Krieg dauerte.

Ich durfte „Kinder mit Stern“ vorab lesen und war sehr ergriffen von der Düsternis und Gefahr, denen die Kinder ausgesetzt waren und gleichzeitig von der Unschuld dieser jungen Menschen. Viele Schicksale sind real. Gibt es ein Schicksal, welches Ihnen besonders nahe ging?

Das Schicksal von Leo Meijer. Er ist das einzige der Kinder im Buch, das den Krieg nicht überlebt hat. 2013erschien mein Buch Groeten van Leo, das Leo als Protagonist hat. Das Schreiben hat mich sehr traurig gemacht. Leo wurde nicht älter als neun Jahre.

Sie setzten sich intensiv mit dem 2. Weltkrieg und dem Nationalsozialismus auseinander. Einige Ihrer Kinderbücher befassen sich mit diesen Themen. Gerade in der heutigen Zeit merkt man immer wieder, wie wichtig die Aufarbeitung dieser Themen ist. Gab es in Ihrem Leben einen Punkt, der Sie dazu veranlasst hat, sich näher diesem dunklen Kapitel der deutschen und europäischen Geschichte zu widmen?

Mein erstes Buch, das 1996 erschien, handelte von einem Teil meiner Familiengeschichte aus dem Jahr 1772. Ich entdeckte, dass zwei meiner Vorfahren eine Bande junger Diebe anführten, so ein bisschen wie in Dickens’ „Oliver Twist“. Einen dieser jungen Diebe machte ich zum Protagonisten dieser auf Wahrheit basierenden Geschichte. Ich wusste damals schon, dass ich auch die vergessene Geschichte meines Vaters und Großvaters erzählen wollte, aber ich habe mich sehr lange nicht getraut. Ich sage vergessen, weil es in den Niederlanden sehr unbekannt ist, dass Kommunisten auch verfolgt wurden und noch mehr, dass für die Verhaftungen der Kommunisten Listen des Niederländischen Geheimdienstes benutztwurden. Mehr als zehn Jahre nach dem ersten Buch erschien im Jahr 2008 Oorlog zonder vader. Ich traute mich vorher nicht, weil ich dachte, dass nur diejenigen, die den Krieg selbst erlebt hatten, darüber schreiben durften. Und auch deswegen nicht, weil es eine emotionale und persönliche Geschichte ist.

Ich denke, dass die ganze Welt und die Politik derzeit an einem entscheidenden Wendepunkt ist. Die Flüchtlingspolitik oder der Umgang mit den Flüchtlingen ist teilweise sehr erschreckend. Erachten Sie es als sehr wichtig, dass man sich nicht nur in Europa, sondern auch auf der ganzen Welt mit der Thematik und den Gräueltaten des Nationalsozialismus beschäftigt?

Ja, sicher. Die Geschichte des Nationalsozialismus lehrt uns, was geschieht, wenn der Rechtsstaat angegriffen wird. Der Schutz der Demokratie ist sehr wichtig, überall auf der Welt.

Glauben Sie, dass Geschichten wie Ihre dazu beitragen können, die Menschen offener für das weltweite Geschehen zu machen und toleranter gegenüber fremden Kulturen zu werden?

Das glaube ich sicher. Geschichten berühren Leser auf einer anderen Ebene und können Empathie herbeiführen. Auf diese Weise öffnen sie Lesern die Augen dafür, dass Menschen aus fremden Kulturen so sind wie sie selbst.

Ich hoffe, dass ich euch mit meiner Aktion das Buch “Kinder mit Stern” etwas näher bringen konnte. Auch wenn es ein Kinderbuch ist, sagt es so viel aus und sollte in keinen Kinderzimmer fehlen.

Ich möchte mich auch ganz herzlich bei den Mädels vom Carlsen Verlag bedanken, die mir das Interview vermittelt haben.

Habt alle einen schönen Freitag!

Caro

 

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